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dvd

Frisör mit heißer Luft

Black Shampoo

Black Shampoo

Die Helden des Blaxploitationfilms sind afroamerikanische Privatdetektive, Gangster, Agenten, kämpferische Frauen und … ein Frisör. Tatsächlich mag Hal Ashbys Komödie „Shampoo“ (USA 1975) mit Warren Beatty als Frisör und gefragtem Liebhaber Greydon Clark dazu animiert haben, einen afroamerikanischen Haarspezialisten zur Hauptfigur des Blaxploitationfilms „Black Shampoo“ zu machen. Aber Clarks Regiearbeit hat mit dem „Vorbild“ nur gemein, dass sich die Hauptfigur gerne um das sexuelle Glück der Frauen kümmert.
Mit den Haaren seiner Kundinnen beschäftigt sich Mr. Jonathan (John Daniels) nur zur Einleitung intimer Freuden im Hinterzimmer seines Salons. Bei einem Hausbesuch wirkt ein offen zur Schau gestellter Fön wie eine Tarnung. Alles läuft rund, bis Jonathans neue Rezeptionistin Brenda (Tanya Boyd) in Schwierigkeiten gerät, weil sie aus dem Bett des weißen Gangsterbosses Mr. Wilson (Joseph Carlo) ausgebüchst ist. Um die attraktive Frau wieder als Gespielin in sein Imperium eingliedern zu können, schickt Wilson ein paar Handlanger los. Sie sollen Brenda auf gewalttätige Weise gefügig machen. Das scheint auch zu funktionieren, aber der bullige Frisör ist ein Gegner, mit dem man sich besser nicht anlegt. Er nimmt den Kampf gegen Wilson und dessen Sklavenhaltermentalität auf.

Greydon Clark hat „Black Shampoo“ als Huldigung an die Langsamkeit inszeniert. Trotz des einfachen, ruppigen Stoffes zerdehnt er das Geschehen so lange, bis eine Art meditativer, auf rationale Weise nicht mehr erfassbarer Stillstand eintritt. Während es parallel zu den Eröffnungstiteln noch durchgeht, erst die Haarwascheinlage und dann die Bettspielereien Mr. Jonathans ausführlich zu „würdigen“ - immerhin wird die Frisörhauptfigur dadurch auch adäquat charakterisiert –, nimmt eine merkwürdige Einlage mit zwei sexversessenen Töchtern einer Kundin, die ihrer resoluten Mutter schließlich Platz machen müssen, schon wunder. Vollends absurdes Theater präsentiert Clark aber, wenn die Schläger Mr. Wilsons in Zeitlupengeschwindigkeit Gewalt gegen die Inneneinrichtung des zu diesem Zeitpunkt leeren Salons von Mr. Jonathan ausüben. Dabei gehen sie eher wie übermütige Jugendliche vor, die als Mutprobe etwas richtig Böses tun wollen, sich aber nicht so ganz trauen, wirklich die Sau raus zu lassen. Am Ende herrscht zwar ein gewisses Chaos, aber bis dahin ist viel, viel, viel Zeit vergangen. Schließt man einfach mal aus, dass die Langsamkeit wie bei Tarkowski ein Stilmittel für philosophische Betrachtungen ist, dann ließe sich der mit gut 80 Minuten ohnehin schon nicht lange „Black Shampoo“ ohne inhaltlichen Substanzverlust vermutlich um 20 bis 30 Minuten kürzen.
Zu allem Überfluss leistet sich Clark im Finale dann auch noch den völligen Stilbruch, über das Ziel komplett hinauszuschießen. Wirkte „Black Shampoo“ bis dahin so harmlos wie eine Black Shampoo Seifenblase, greift er auf einmal zu Gewaltdarstellungen, die keine Verbindung zur vorangegangenen Geschichte besitzen. Es wird fies und derbe. Dabei sieht man Sinn und Verstand zerbersten, weil sie Teil der Seifenblase waren, die nun verpufft. Filmhandwerkliches Können löst sich endgültig in Luft auf, ohne dass etwas anderes in die Bresche springt.

Bildqualität

Black Shampoo

Die Bildqualität der DVD ist recht solide, schließlich sollte man bei einem seltenen Blaxploitationfilm aus den 1970ern keine Wunder erwarten. Während der Detailreichtum sichtbar eingeschränkt ist, geht die Konturenschärfe in Ordnung. Analoge Defekte und Verschmutzungen gibt es kaum. Die Farben wirken etwas ausgebleicht, machen aber noch eine ansprechende Figur. Auch der Kontrast ist in Ordnung.

Tonqualität

Die Monotonspuren klingen nicht allzu voll, aber die Dialoge lassen sich problemlos verstehen. Störende Verzerrungen gibt es nicht.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus der gekürzten deutschen Videofassung für Nostalgiker, einer Bildergalerie und dem Trailer zum Film.

Fazit

„Black Shampoo“ ist ein Werk für Sammler von Blaxploitationfilmen, die auch rare Titel ihr eigen nennen wollen. Denn nennenswerte Qualitäten besitzt der bis an die Grenze des Lächerlichen zerdehnte Film nicht, der durch seine langsam Machart künstlich auf gut 80 Minuten aufgepumpt wurde. Technisch ist die DVD absolut in Ordnung.

Stefan Dabrock

13.01.2014

   
Originaltitel Black Shampoo (USA 1976)
Länge 81 Minuten (Pal)
Studio Motion Picture
Regie Greydon Clark
Darsteller John Daniels, Tanya Boyd, Joseph Carlo, Skip E. Lowe, Gary Allen, William Bonner, u.a.
Format 1:1,66 (16:9)
Ton Mono Deutsch, Englisch
Untertitel -
Extras Deutsche Videofassung, Bildergalerie, Trailer
Preis ca. 20 EUR
Bewertung schwach, technisch in Ordnung