dvdheimat und blurayheimat - das magazin für dvd und bluray-rezensionen

rezensionen

30.03. Paul Temple und der Fall Marquis
03.03. Die weiße Mafia
16.02. Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen
11.02. Im Dutzend zur Hölle
28.01. Die Engel von St. Pauli
21.01. Die Todeskralle des grausamen Wolfes
06.01. Die Mörderklinik
12.12. Paul Temple: Jagd auf Z
27.11. Die drei Supermänner räumen auf
30.10. Die Heuchler
10.10. X 312 … Flug zur Hölle...
03.10. Das Todeslied des Shaolin
15.09. Der Koloss von Konga
26.08. Das Omen des Bösen
11.08. Menschen im Hotel
06.08. Mädchen: Mit Gewalt

kurzrezension

09.11. Return of the Warrior
30.05. Iron Sky - Director's Cut (blu-ray)
21.05. Captain Invincible oder „Wer fürchtet sich vor Amerika?“
22.04. True Justice: Angel of Death – Der Todesengel (blu-ray)

blu-ray

Stadtreinigung per Spezialeinheit

Kings of the City

Kings of the City

Wenn Großveranstaltungen anstehen, wollen Offizielle immer, dass jegliches Störfeuer von der Bildfläche verschwindet. Die werbewirksame Hochglanzwelt soll ihre Wirkung voll entfalten und kaum ein Event besitzt mehr Strahlkraft, als eine Weltausstellung.
In diesem Kontext spielt Alberto Rodríguez' Cop-Film „Kings of the City“, der wenige Jahre vor der EXPO ansetzt, die 1992 in Sevilla stattfand. Ende der 1980er Jahre soll eine Spezialeinheit aus vier Polizisten dafür sorgen, dass die spanische Stadt kein heißes Pflaster mehr für Drogengeschäfte ist. Bei ihren Aktionen treffen die Ordnungshüter erwartungsgemäß auf Widerstand, aber sie reagieren mit Methoden jenseits der Legalität. Sowohl brutale Gewalt als auch das geschickte Abgreifen von Insiderinformationen sichert ihnen schnelle Erfolge. Vorgesetzte und Staatsanwaltschaft schauen angesichts der steigenden Verhaftungen weg, weil das Ziel einer sauberen Stadt auch fragwürdige Mittel heiligt. Die Polizisten spüren jedoch, dass sie sich letztlich nur auf sich selbst verlassen können. Denn wenn der Bogen einmal überspannt sein sollte, dann wird die schützende Hand verschwinden. Der daraus entstehende Druck prägt ihr Leben zwischen dem Hass der Gangster und der Gefahr, abzustürzen.

In regelmäßigen Abständen schneidet Rodríguez zusammen mit seinem Cutter José M. G. Moyano immer wieder auf Baustellenbilder der zukünftigen EXPO-Anlagen, die eine so verwaschene Qualität besitzen, dass sie wahrscheinlich dokumentarisch sind. Sie rufen den Hintergrund in Erinnerung, vor dem die Menschen in „Kings of the City“ handeln. Es ist das große Ziel der Megashow, das die Gewalttätigkeit der Polizisten erhöht. Die gigantische Bedeutung einer EXPO sorgt im Verbund mit der Unmöglichkeit der gestellten Aufgabe, Sevillas Drogensumpf auszutrocknen, dafür, dass Grenzen überschritten werden. Das gilt nicht nur für körperliche Misshandlungen, mit denen Drogenhändler zu Aussagen gezwungen werden sollen, die Polizisten arbeiten auch auf geschickte Weise mit einer Milieuangehörigen zusammen. Sie Kings of the City kann weiter ihre Geschäfte abwickeln, sofern genügend andere über die Klinge springen. Wenn es sein muss, wird Verdächtigen die heiße Ware auch untergeschoben.
Rodríguez fängt das zunehmend fragwürdiger werdende Leben der Spezialeinheitsmitglieder durch effektive Handkameraaufnahmen ein, die auf dynamische Weise bei den Figuren bleiben, ohne in völliger Hektik zu ertrinken. Dabei arbeitet er mit einer spannenden visuellen Dramaturgie, die helle Aufnahmen über weite Strecken für das gefährliche Berufsleben reserviert, während die ganz wenigen privaten Szenen in ein Schummerlicht oder Dunkelheit getaucht sind. So mächtig sich die Polizisten auch fühlen, so ausgeliefert erscheinen sie bei ihrer Berufsausübung im spanischen Sonnenlicht. In einer der intensivsten Szenen des ganzen Films befindet sich Ángel (Mario Casas) – einer der Cops – in dem komplett umbauten Innenhof eines Viertels der Drogenbanden. Die absolute Stille sorgt im Verbund mit den menschenleeren, schwarzen Fensteröffnungen in den weißen Fassaden für eine beklemmende Stimmung, die das Gefühl der Angst auf den Punkt bringt und bei den Polizisten alle Dämme der Korrektheit brechen lässt. Die unmenschliche Aufgabe zerfrisst ihre Seelen, während die brutalen Methoden eine entsprechende Gegenwehr hervorrufen. Schutz findet Rafael (Antonio de la Torre) – ein weiterer Polizist – nur in der Dunkelheit seiner Wohnung, in der spartanisches Licht herrscht. Doch diese Höhle wirkt nicht erleichternd, sondern bedrückend, zumal regelmäßige Christusstatuenbesuche von einer zurückliegenden Schuld erzählen, die ihn plagt.
Das anstehende Großereignis der EXPO und der moralische Niedergang der Polizisten verschmelzen in Rodríguez' Thriller zu einer Einheit, die gesellschaftliche Fragen nach Moral und Wertesystem aufwirft. Vor allem gelingt es dem Regisseur, der glänzenden Scheinrealität, die später mit der EXPO verbunden war, ein rohes Gegenbild anzuheften. „Kings of the City“ fordert dazu auf, hinter die Fassaden zu gucken.

Bildqualität

Kings of the City

Die Bluray meistert die dynamischen Szenen mit schnellen Handkamerabewegungen ebenso gut wie die ruhigen Teile. Dabei werden die Konturen weitgehend klar wiedergegeben und der Detailreichtum schwankt zwischen ansprechend und gut. Die Farben sind eher gedeckt, weil Regisseur und Kameramann auf eine etwas schmuddelige Szenerie setzen. Diese Atmosphäre wird durch die Bluray sehr gut wiedergegeben. Der Kontrast leistet sich leichte Schwächen, weil dunkle Szenen einiges verschlucken. Es ist aber nicht auszuschließen, dass das Teil des visuellen Konzeptes war, um die düstere Realität des mageren Privatlebens der Polizisten zu steigern. Insgesamt bietet die Bluray eine gute Bildqualität.

Tonqualität

Sunfilm ist eines der wenigen Labels, das recht oft einen 7.1-Ton anbietet. Das ist auch bei „Kings of the City“ der Fall, bei dem sich das voll auszahlt. Während der Polizeieinsätze sorgt die Musik mit treibenden oder dräuenden Percussioneinsätzen immer wieder für Dynamik beziehungsweise Anspannung. Dabei kommen auch die zusätzlichen zwei Kanäle hinter der Sitzposition zum Einsatz, die das räumliche Erlebnis effektiv steigern. Zu der feinen Abmischung der Musik gesellen sich klare und verständliche Dialoge, die sich homogen in die restliche Tonkulisse einfügen.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus einem Trailer.

Fazit

„Kings of the City“ verbindet die Thematik rabiater Cops, die als Spezialeinheit Grenzen überschreiten, um ihre Ziele zu erreichen, mit dem Wunsch der Offiziellen, eine reibungslose Weltausstellung auf die Beine stellen zu können. Die Hochglanzwelt solcher Showevents erscheint angesichts der erdigen Begleitumstände brutaler Natur in einem anderen Licht, das moralische Fragen aufwirft. Technisch ist die Bluray gut.

Stefan Dabrock

27.06.2013

   
Originaltitel Grupo 7 (Spanien 2011)
Länge 94 Minuten (24p)
Studio Sunfilm
Regie Alberto Rodríguez
Darsteller Antonio de la Torre, Mario Casas, Joaquín Núñez, José Manuel Poga, Inma Cuesta, Estefanía de los Santos, Julián Villagrán, Alfonso Sánchez, u.a.
Format 1:2,35 (16:9)
Ton DTS-HD-Master 7.1 Deutsch, Spanisch
Untertitel Deutsch
Extras Trailer
Preis ca. 13 EUR
Bewertung gut, technisch gut