dvdheimat und blurayheimat - das magazin für dvd und bluray-rezensionen

rezensionen

30.03. Paul Temple und der Fall Marquis
03.03. Die weiße Mafia
16.02. Das Mädchen mit den schwarzen Strümpfen
11.02. Im Dutzend zur Hölle
28.01. Die Engel von St. Pauli
21.01. Die Todeskralle des grausamen Wolfes
06.01. Die Mörderklinik
12.12. Paul Temple: Jagd auf Z
27.11. Die drei Supermänner räumen auf
30.10. Die Heuchler
10.10. X 312 … Flug zur Hölle...
03.10. Das Todeslied des Shaolin
15.09. Der Koloss von Konga
26.08. Das Omen des Bösen
11.08. Menschen im Hotel
06.08. Mädchen: Mit Gewalt

kurzrezension

09.11. Return of the Warrior
30.05. Iron Sky - Director's Cut (blu-ray)
21.05. Captain Invincible oder „Wer fürchtet sich vor Amerika?“
22.04. True Justice: Angel of Death – Der Todesengel (blu-ray)

blu-ray

Verbriefte Schuld

Going Postal

Going Postal

„Going Postal“ ist nach „Hogfather“ („Hogfather“, Regie: Vadim Jean, GB 2006) und „Color of Magic – Die Reise des Zauberers“ („The Colour of Magic“, Regie: Vadim Jean, GB 2008) die dritte Terry Pratchett Verfilmung von Sky One und The Mob.
Darin wird der Berufsbetrüger Feucht von Lipwig nach seiner Verhaftung zum Tode durch den Strang verurteilt. Die graue Eminenz Ankh-Morporks, Lord Vetinari, sorgt jedoch dafür, dass die Aktion des Schafrichters nur eine Scheinerhängung bleibt. In einer persönlichen Unterredung stellt Vetinari den geretteten Feucht von Lipwig vor die Wahl, eine geheimnisvolle Tür zu durchschreiten, hinter der ein gähnender Abgrund lauert, oder das völlig heruntergewirtschaftete Postamt neu zu eröffnen. Hintergrund ist das Telegraphensystem des sinistren Reacher Gilt, das zur Zeit als Kommunikationsmittel über größere Entfernungen konkurrenzlos ist. Gilt nutzt das aus, um bei Wartungsarbeiten zugunsten seines Profits zu sparen. Darunter leidet jedoch die Zuverlässigkeit des Systems. Das will Lord Vetinari, nicht zuletzt aus persönlichen Motiven, ändern – eine Fernpartie des Strategiespiels Thud gerät durch die Unzuverlässigkeit des Telegraphen immer wieder ins stocken. Feucht von Lipwig glaubt zunächst, das große Los gezogen zu haben, weil er denkt, sich schnellstmöglich aus dem Staub machen zu können. Dabei hat der die Rechnung aber ohne einen als Aufpasser engagierten Golem gemacht, der nie schlafen muss und stets weiß, wo sich Feucht von Lipwig aufhält. Also muss er den Kampf gegen Reacher Gilt aufnehmen, der den neuen Herrn über die Post genauso ins Jenseits befördern lassen will, wie dessen Vorgänger. Unterstützung erfährt Feucht von Lipwig dabei nicht nur durch die etwas ramponierten zwei letzten Angestellten der Post, sondern auch durch die Chefin des Golem-Services, die ihrerseits aus persönlichen Gründen ein Hühnchen mit Reacher Gilt zu rupfen hat.

Die Stärke der Bücher Terry Pratchetts besteht darin, gesellschaftliche Verhaltensweisen, Institutionen und Themen in die historischen Fantasygegebenheiten seiner Scheibenwelt zu übertragen. Dadurch gelingt ihm eine satirische Reflexion der heutigen Zeit, die einerseits die Menschen erreicht, ohne sie gleich vollständig zu brüskieren, da eine gewisse Distanz bleibt, und andererseits die Moderne in einen Kontext mit „rückständigen“ Epochen setzt. Dadurch Going Postal trennt er die Moderne vom scheinbar unverrückbaren Zusammenhang mit dem Begriff Fortschritt. Das Ergebnis ist ein zum Teil beißender Spott, dessen hintergründiger Humor gängige Verhaltensmuster in ihren Schwächen entlarvt. Das haben die Macher in die Verfilmung des Romans „Going Postal“ hinübergerettet, auch wenn laut Kennern des Buches Veränderungen vorgenommen worden sein sollen, die nicht nur Kürzungen, sondern auch Umarbeitungen im Film noch enthaltener Charaktere beinhalten. So soll beispielsweise die Liebesgeschichte zwischen Feucht von Lipwig und Adora Belle Liebherz ausgebaut worden sein.

Das ändert aber nichts an den Stärken des britischen TV-Zweiteilers, der die viktorianische Atmosphäre Ankh-Morporks sehr gut einfängt, welche die Stadt nach einiger Entwicklungszeit innerhalb des Scheibenweltuniversums inzwischen ausstrahlt. Düstere enge Gassen vermitteln immer wieder den Eindruck der Bedrohung während die aufstrebende Entwicklung der Kontrolle entzogen zu sein scheint. Die Wirtschaft hat sich zu einem Faktor entwickelt, welche durch die Politik, im diesem Falle durch Lord Vetinari, kaum noch kontrollierbar zu sein scheint. Konsequenterweise setzt Vetinari deswegen auch auf die Macht der Wirtschaft, um die Dinge zu beeinflussen. Er setzt dem Monopolisten eine Konkurrenz vor die Nase. Das finstere Gebaren Reacher Gilts funktioniert dabei als böse Reflexion über die finsteren Seiten wirtschaftlichen Handelns, das Profitmaximierung mit fragwürdigen Methoden zu erreichen sucht. Hier setzt „Going Postal“ den Finger in die Wunde aktueller Auswüchse. Der Film belässt es aber nicht dabei, den Konkurrenzkampf zu beleuchten, der auch ein Kampf zwischen moderner Technologie und dem alten Kommunikationsmittel des Briefes ist, er erzählt auch die Geschichte der Schuld, die Feucht von Lipwig als Betrüger auf sich geladen hat. Sein Kampf für die Post ist damit verknüpft. Seine Betrügereien haben mittelbar Todesopfer gefordert, weil die Geschädigten in große Bedrängnis gekommen sind. Der Aufbau der Post ist gleichzeitig ein Abbau seiner Schuld, indem er etwas Gutes tut. Dadurch gelingt es ihm, sein Trauma zu bewältigen. Das ist zwar eine sehr schlichte, aber auch eine gut funktionierende Konstruktion. Äußere und innere Dynamik gehen innerhalb der Verfilmung Hand in Hand. Eine gelungene, ebenso rasante wie amüsante und satirische Fantasyverfilmung.

Bildqualität

Going Postal

Das Bild der Bluray fängt die Fantasyatmosphäre sehr gut ein, indem ein hoher Detailreichtum und klare Konturen vorherrschen. Dabei profitiert die Bluray von der HD-Herkunft des Masters, da der Film mit entsprechenden Kameras gedreht wurde. Dazu gesellt sich ein guter Kontrast, der keine nennenswerten Schwierigkeiten hat, die einzelnen Elemente gut voneinander abzugrenzen. Dunkle Szenen weisen gelegentlich aber ein sichtbares Rauschen auf, das vermutlich digitale Ursachen hat.

Tonqualität

Die DTS-HD-5.1-Tonspuren verfügen über klare und verständliche Dialoge, die ohne Schwächen abgemischt wurden, so dass sie an keiner Stelle durch die übrige Klangkulisse übertönt werden. Darüber hinaus verfügt die Abmischung über zahlreiche räumliche Effekte, beispielsweise wenn der Banshee durch die Luft fliegt und seine Geräusche durch alle Lautsprecher wandern. Die Musik überzeugt mit einer dynamischen Präsenz, welche die Dramatik des Geschehens sehr gut unterstützt.

Extras

Die etwa 32minütige Rolle mit Interviews verschiedener Darsteller und Terry Pratchett besteht aus den üblichen, den Inhalt des Films wiederholenden Aussagen, die teilweise mit Ausschnitten aus dem Zweiteiler unterlegt sind. Einzig das erste Interview mit Pratchett geht in eine andere Richtung, da er die Romanarbeit kurz erläutert.
Die zusammen etwa sechs Minuten langen, teilweise noch ohne fertige Green-Screen-Effekte auf der Bluray enthaltenen Deleted Scenes sind nett, aber fügen dem Universum der letztlichen Schnittfassung nichts Nennenswertes hinzu.
Eine knapp vierminütige Outtake-Rolle mit teilweise amüsanten Missgeschicken vom Dreh, eine Bildergalerie und der Trailer runden das Bonusmaterial ab.

Fazit

„Going Postal“ verknüpft treffsichere und bittere Satire mit einem persönlichen Drama der Schuldbewältigung zu einer geschlossenen Fantasyverfilmung. Technisch ist die Bluray gut.

Stefan Dabrock

11.12.2010

   
Originaltitel Going Postal (GB 2010)
Länge 180 Minuten (24p)
Studio New KSM
Regie Jon Jones
Darsteller Richard Coyle, David Suchet, Claire Foy, Andrew Sachs, Charles Dance, Timothy West, Steve Pemberton, Paul Barber, John Henshaw, Tramsin Greig, Madhav Sharma, u.a.
Format 1:1,78 (16:9)
Ton DTS-HD-Master 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel Deutsch
Extras Interviews, Deleted Scenes, Outtakes, Bildergalerie, Trailer
Preis ca. 25 EUR
Bewertung gut, technisch gut