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Ein Königreich für einen Prinzen

Shadowless Sword

Shadowless Sword

Nach dem sehr dick aufgetragenen Schwertkampffilm „Bichunmoo“ (2000) realisierte Regisseur Young-jun Kim mit „Shadowless Sword“ ein mitreißendes, emotional etwas dezenter angelegtes Kampfkunst-Drama, in dessen Mittelpunkt ein im Exil lebender Prinz steht. Nachdem sein Heimatland im Jahr 927 v. Chr. durch eine fremde Armee überrannt wurde, erinnern sich die ranghöchsten Führer an den vor Jahren geflüchteten Prinzen. Er ist die letzte Hoffnung für das besetzte Reich, da die siegreichen Kämpfer den entmachteten König mitsamt seiner Familie ins Jenseits befördert haben. Der Prinz soll die demoralisierten Truppen seiner Heimat gegen die Feinde führen. Seine Landsleute schicken eine ausgebildete Elitekämpferin aus, damit sie den Prinzen sicher eskortiert. Natürlich haben auch die Gegner Wind davon bekommen, dass ein letztes Mitglied der Königsfamilie seit Jahren im Exil lebt und schicken ihrerseits ein paar geschickte Kämpfer aus, die den Prinzen töten sollen.

Die kinetische Dramaturgie des Films folgt dem einfachen, aber sehr effektiven Muster aus Flucht, Ruhe, Kampf und wieder Flucht, wobei die Ruhepause nur selten von längerer Dauer sind. Daraus resultiert ein mitreißend dynamisches Werk, das beständig unter Hochdruck steht, da auch in den Momenten, in denen nicht gekämpft oder gerannt wird, die kurz darauf einbrechende Energie deutlich spürbar ist. Statt echter Entspannung präsentiert „Shadowless Sword“ bestenfalls die Ruhe vor dem Sturm und das auch nur, um das persönliche Drama der beiden Hauptfiguren auf emotionaler Ebene vorantreiben zu können. Der Prinz hatte es sich über Jahre hinweg im Exil bequem gemacht, so dass ihm kaum der Sinn danach steht, als neuer, kämpfender König in sein Heimatland einzuziehen. Diese Haltung steht im vollständigen Gegensatz zum Ehrgefühl seiner Begleiterin, die ihn mit ihren Kampfkunstfähigkeiten beschützen soll. Paradoxerweise sorgt gerade das Ehrgefühl für die Shadowless Sword Sicherheit des Prinzen. Die Shadowless Sword Elitekämpferin kann nicht anders, als ihn zu verteidigen, obwohl sie für ihn nur Mitleid übrig hat. Mit zarter Mimik verdeutlicht So-yi Yoon den Widerstreit, der in jeder Sekunde der Flucht auf ihrer Seele lastet. Sie muss ihr Leben für jemanden einsetzen, der ihre Ideale nicht mehr teilt, muss die Demütigung der Fluchtversuche ertragen, die der Prinz unternimmt. Ihr System aus bedingungsloser Pflichterfüllung gerät dadurch an seine tragischen Grenzen. In den ruhigen Sequenzen lotet Regisseur Young-jun Kim das auf menschlicher Ebene aus, indem er seiner Hauptdarstellerin gelegentlich melancholisch traurige Blicke verordnet, die jedoch dezent bleiben müssen, da die Selbstdisziplin der Elitekämpferin keinen Überschwang erlaubt. Neben dem Kodex leitet auch die gemeinsame Vergangenheit der beiden Figuren, an welche sich der Prinz nicht erinnert, die Handlungen der Kämpferin. Sie weiß, welche Identität der Prinz einmal besessen hat, was er verleugnet. Deswegen glaubt sie zwar an ihn, empfindet aber umso größere Traurigkeit angesichts der Identitätsflucht des Prinzen.

Parallel zu ihrem Widerstreit, der die Frage nach dem Sinn bedingungsloser Pflichterfüllung behandelt, spielt sich im Seelenleben des Prinzen der Kampf gegen seine Herkunft ab, die im Laufe der Reise immer stärker von ihm Besitz ergreift. Das Zusammenspiel beider emotionaler Auseinandersetzungen versetzt den zahlreichen Kampfsequenzen mit den Gegnern eine zusätzliche Spannung, welche die actionreichen Ereignisse veredelt, da immer ein komplexes Geflecht aus Identitätsfindung, Widerstreit, Traurigkeit und Liebe mitschwingt. Denn natürlich entwickeln sich im Laufe der Zeit Gefühle zwischen dem Prinzen und der Kämpferin, die nicht offen ausgelebt werden können. Im Verbund mit den rasanten Kamfsequenzen entwickelt sich so ein ebenso emotionales wie reichhaltiges Schwertkampfdrama, dass seine Stärken in der feinsinnigen Nuancierung ausspielt.

Bildqualität

Das Bild kommt ohne jegliche Dreckspuren oder Defekte daher, was für asiatische Filme auf deutschen DVDs nicht zur Selbstverständlichkeit gehört. Die Schärfe überzeugt durch eine gute Konturenzeichnung und einige Details, die jedoch teilweise noch besser zur Geltung kommen könnten. Die kräftigen Farben erweisen sich als absoluter Pluspunkt der DVD. Das leichte Blockrauschen stört nicht.

Tonqualität

Die beiden 5.1-Spuren liefern eine feine räumliche Kulisse, der für eine absolute Spitzenleistung nur die intensivere Einbindung diverser atmosphärischer Geräusche in den ruhigen Szenen fehlt. Die Kampfsequenzen überzeugen durch eine wuchtige Rundumkulisse mit gelungenen Toneffekten. Die Musik nutzt ebenfalls alle Lautsprecher für ihren vollen Klang. Die Dialoge sind klar und verständlich, störendes Rauschen gibt es nicht.

Extras

Shadowless Sword

Das gesamte Bonusmaterial ist deutsch untertitelt. Das Making Of besteht aus den vier Teilen „Art Design“, „Kampfkunst“, „Die Produktion“ und „Musik und Sound“, welche zusammen gut 50 Minuten lang sein. Dabei handelt es sich um reines Werbematerial. Am Anfang eines jeden Teils führt ein Off-Kommentar, in dem inflationär häufig das Wort „großartig“ gebraucht wird kurz in die Thematik ein. Darauf folgt B-Roll-Material.

Die Deleted Scenes liegen in sehr schwacher Bildqualität vor und sind zumeist auch zu Recht aus dem Film entfernt worden, da sie für die Erzählung nicht notwendig sind und ihr auch nichts neues hinzufügen. In zwei Szenen werden die Charaktere – einerseits der zukünftige König, andererseits seine Verfolger - noch ein bisschen vertieft, so dass es ein wenig schade ist, dass sie nicht im Film enthalten sind.

Die drei Interviews mit den Hauptdarstellern Seo-jin Lee, Hyeon-jun Shin und So-yi Yoon (zusammen etwa 18 Minuten) laufen alle nach demselben Muster ab. Zunächst sagt jeder etwas Inhaltliches zu seiner Figur, dann folgen ein oder auch zwei Anekdoten vom Dreh, Lob über den Shadowless SwordRegisseur darf auch nicht fehlen, um dann am Ende noch einmal zu erwähnen, wie großartig der Film ist. So sieht uninteressantes Werbematerial aus. In „Die Maske“ (etwa 11 Minuten) berichten Kim Min-Hee (Kostüme) und Jang Yoon-Jung (Maske) über ihre Arbeit am Film. Darin geht es um die künstlerische Intention beim Entwurf verschiedener Kostüme beziehungsweise des Make-Ups für die Hauptfiguren. Beides soll stets auch etwas über die charakterliche Entwicklung beziehungsweise die Stimmung ausdrücken, in der sich die Figur gerade befindet. Dieser Beitrag liefert als erste interessante Informationen.

Hinter „Behind the Scenes“ (etwa 6 Minuten und 30 Sekunden) verbirgt sich erneut unkommentiertes B-Roll-Material. „Fotoshooting“ (etwa sieben Minuten) zeigt einige Filmdarsteller bei der Entstehung diverser Werbeaufnahmen für den vorliegenden Film. Der etwa 12minütige Beitrag „Pressekonferenz“ zeigt Aufnahmen der Premiere, ein paar belanglose Äußerungen am Film Beteiligter und ein wenig Martial-Arts-Show auf einer Kino-Bühne (vermutlich ebenfalls Aufnahmen von der Premiere). Eine Slideshow sowie ein Musikvideo rundet das Bonusmaterial ab.

Fazit

Rasante Kampfszenen und ein faszinierendes Drama um einen zukünftigen König wider Willen auf der Suche nach seiner Identität gepaart mit eine Reflexion über Pflichterfüllung um jeden Preis und den Sinn des Kampfes machen aus „Shadowless Sword“ eine ebenso temporeiches wie tiefgründiges Historiendrama. Technisch ist die DVD gut, das Bonusmaterial enttäuscht. Denn Masse ist nicht Klasse.

Stefan Dabrock

12.07.2008

   
Originaltitel Muyeong Geom (Südkorea 2005)
Länge 112 Minuten (Pal)
Studio Splendid
Regie Young-jun Kim
Darsteller Seo-jin Lee, So-yi Yoon, Hyeon-jun Shin, u.a.
Format 1:2,35 (16:9)
Ton DD 5.1 Deutsch, Koreanisch
Untertitel Deutsch
Extras Making Of, Deleted Scenes, Trailer, u.m.
Preis ca. 20 EUR
Bewertung sehr gut, technisch gut