Terror im Paradies

Die gnadenlosen Vier

Die gnadenlosen VierNach „Auf der Kugel stand kein Name“ („No Name on the Bullet, Regie: Jack Arnold, 1959) und „Der weiße Teufel von Arkansas“ („Ride a Crooked Trail“, Regie: Jesse Hibbs, 1958) veröffentlicht Koch Media mit „Die gnadenlosen Vier“ einen weiteren Audie-Murphy-Western, der zu den besten Werken in der Karriere des amerikanischen Darstellers gehört. Nachdem vier aus dem Gefängnis ausgebrochene Outlwas in der Stadt Paradise durch eine Geiselnahme mit mehreren Toten Geld erpresst haben und mit der Geisel Helen geflohen sind, taucht der Abenteurer Banner Cole in der Stadt auf, um den Sheriff zu treffen. Der liegt jedoch im Sterben, weil ihn die Banditen niedergeschossen haben. Auf dem Totenlager fordert er Cole auf, einmal etwas aus Überzeugung und nicht aus Hass zu tun. Cole solle den Banditen nachjagen, um sie zur Rechenschaft zu ziehen. Tatsächlich macht sich Cole daran, einen Verfolgungstrupp aufzustellen, obwohl er lieber alleine arbeiten würde. Das lässt aber die Stadtgemeinschaft nicht zu. So macht sich eine Gruppe unterschiedlicher Charaktere, zu der unter anderem ein im Westen völlig unerfahrener Banker, ein Indianer, ein Möchtegern-Revolverheld und ein angegrauter Bürgerkriegsveteran gehören, an die Verfolgung der Mordbrüder.

Die Banditen bilden eine Art Katalysator für das eigentliche Geschehen des Films, das sich innerhalb der Verfolgungstruppe abspielt. WieDie gnadenlosen Vier gespenstische Schemen reiten die Outlaws zu Beginn des Films in die Westernstadt Paradise ein, als seien sie Teil eines Horrorfilms. Nach kurzer Episode im Saloon, wo sie deutlich zu sehen sind, verschwinden sie wieder aus dem Nahbereich des Films, um als weitgehend gesichtsloses Ziel der Verfolgung zu dienen. Damit ist der Weg frei für das Hauptaugenmerk des Films, das auf den verschiedenen Charakteren liegt. Im Zentrum steht der von Audie Murphy ambivalent dargestellte Banner Cole, der alles andere als ein Musterbeispiel menschenfreundlicher Gesinnung ist. Sein Antrieb für die Verfolgung ist eine Mischung aus Abenteuerlust und persönlicher Verbindung zum verstorbenen Sheriff. Die Verfolgung dient ihm als eine Art Männlichkeitsritual mit Trainingsaspekt für die eigenen Fähigkeiten. Der Gerechtigkeitsaspekt ist in seiner Gesinnung zwar auch vorhanden, dominiert seine Handlungen aber nicht.

Cole ist die einzige Figur innerhalb der Verfolgungstruppe, die sich ihrem äußeren Anschein nach verhält. Die übrigen Figuren werden im Laufe der Geschichte entweder demontiert oder erfahren eine Aufwertung. So erweist sich der großmäulige Revolverheld als nutzloser Kunstschütze, der die Hosen voll hat, sobald er auf einen Menschen schießen soll, der völlig unerfahrene Banker von der Ostküste entwickelt hingegen kämpferische Qualitäten. Die Auseinandersetzung mit den Banditen wird folglich zu einer Reise in das Innere der einzelnen Figuren, die im Angesicht der Gefahr auf ihre wahren Fähigkeiten sowie Ansichten zurückgeworfen werden. Die Außenseiter der Frontier-Gesellschaft – der Indianer, der unerfahrene Banker, der für das geordnete Stadtleben nicht geeignete Abenteurer – verschmelzen schließlich zu einer Gemeinschaft, die den Mythos des Westens bündelt, wenn auch nicht alle am Ende der Reise ankommen werden. Sie bilden einen neuen Kern der Siedlungsgemeinschaft, indem sie ihre menschenfeindlichen Attribute ablegen oder das Raue im Leben an der Grenze zur Zivilisation annehmen. Auf die Härte folgt im Mainstream-Western dieser Zeit stets die harmonische Zurückführung auf die Werte der Gemeinschaft. Da macht auch „Die gnadenlosen Vier“ keine Ausnahme.

Bildqualität

Die gnadenlosen VierVor dem Hintergrund des Filmalters macht das Bild der DVD eine gute Figur. Zwar tauchen immer wieder Verschmutzungen und Defekte auf, sie halten sich aber in engen Grenzen. Die Schärfe schwankt zwischen gut und angenehm, die Farben sind kräftig. Der Kontrast sorgt für ein plastisches Bild ohne nennenswerte Schwächen. Das Hintergrundrauschen ist allerdings oftmals klar sichtbar. Sonstige Rauschmuster treten nicht nennenswert in Erscheinung.

Tonqualität

Beide Tonspuren schlagen sich recht ordentlich, fällt doch das Rauschen angenehm reduziert aus. Der deutsche Ton kling wie üblich etwas heller und weist leichte Verzerrungen in den Höhen auf, während der Originalton etwas dumpfer, dafür aber weniger verzerrt erklingt. Die Dialoge sind aber in beiden Fassungen verständlich.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus einer Bildergalerie, einem Trailer sowie einem 8seitigen Booklet (4 Seiten Text), aus dem an dieser Stelle zitiert werden muss:

„...: Ein Greenhorn, der sich nur auf die Jagd eingelassen, um nicht als Feigling deklariert zu werden,...“,

„Aus seinem Mangel an schauspielerischem Talent hat der Cowboy-Knirps,..., sowieso nie geprahlt“.

Das Booklet beweist, das Lesen nicht immer ein Vergnügen ist.

Fazit

„Die gnadenlosen Vier“ erzählt eine packende Geschichte aus dem mythologischen Arsenal des Western, in der es vor allem um die Wandlung gesellschaftlicher Außenseiter geht. Audie Murphy überzeugt darin als ambivalenter Abenteurer, während John Saxon den unerfahrenen Banker mit neu erwachtem Kämpferherz verkörprt. Technisch ist die DVD angesichts des Filmalters gut.

Stefan Dabrock

   
Originaltitel Posse from Hell (USA 1961)
Länge 85 Minuten (Pal)
Studio Koch Media
Regie Herbert Coleman
Darsteller Audie Murphy, John Saxon, Zohra Lampert, Vic Morrow, Robert Keith, u.a.
Format 1:1,33 (16:9)
Ton DD 2.0 Mono Deutsch, Englisch
Untertitel -
Extras Bildergalerie, Trailer, 8seitiges Booklet
Preis ca. 15 EUR
Bewertung gut, technisch angesichts des Filmalters gut