Blaxploitation - das Genre

Der schon erwähnte »Superfly«, eine von Hollywood unabhängig entstandene reine schwarze Produktion, gehört wieder zu den pulp-haften Ausprägungen des Genres, ohne aber die Unbekümmertheit eines »Shaft« zu erreichen. Der Drogendealer Priest möchte aus seiner Existenz aussteigen. Hierfür benötigt er Kokainprofite, um sich mit dem Geld zur Ruhe setzen zu können. Im Zentrum des Films steht das kriminelle, urbane Milieu um Drogen, Zuhälter und Waffen. Die ganze Szenerie changiert geschickt zwischen cooler Gangsterwelt und einem realistischeren Abbild der Inner-Cities. Trotz der moralischen Entwicklung des Priest bleibt der Film aus den oben erwähnten Gründen zwiespältig. Seine besondere Bedeutung liegt vor allem auch in der massiven Kritik, die er hervorgerufen hatte, und die mit zum Niedergang des Genres führte.

Mit »Coffy« etablierte die Blaxploitation auch auch eine selbstbewusste, toughe weibliche Heldin. Pam Grier spielt titelgebende Coffy, die einen Dealerring im Alleingang fertig macht, weil dieser für die Drogensucht ihrer Schwester verantwortlich ist. Entschlossen setzt sie ihre Racheabsicht in die Tat um, ohne besonders zimperlich dabei zu sein. Es handelt sich hier, wie man leicht erkennen kann, um die typische Geschichte des schwarzen Kampfes gegen den weißen, schädliche Einfluss auf die Black Community.

In »Foxy Brown« kehrte Grier als ähnlich gelagerte Figur zurück, welche die Mörder ihres Freundes, weiße Gangster, zur Rechenschaft zieht. Mit gleicher Zielstrebigkeit verfolgt Foxy Brown ihre Absicht, bis keiner der Mörder mehr am Leben ist. Dabei muss sie auch vielfache Qualen erleiden.

Eine andere Inkarnation weiblichen Heldentums kann man in den »Cleopatra Jones«- Filmen beobachten. Hier geht es um eine Agentin der USA, die in ihrem ersten Abenteuer in der Türkei gegen eine lesbische Drogen-Queen vorgehen muss. Es scheint als habe man bei den Filmemachern auf die anhaltende Kritik reagiert. Es kommen, wie auch im Sequal »Cleopatra Jones and the Casino of Gold«, keine besonders deutlichen Sexszenen mehr vor und die Welt der Drogen wird eindeutig als schädlich dargestellt. Besonders der Prolog des ersten Teils, wo die Leiden eines Menschen auf Drogenentzug gezeigt werden, verdeutlicht dieses neue Anliegen. Im Sequel geht es wieder um den Kampf gegen das Drogenbusiness, diesmal jedoch in Hongkong.

5. Wichtige Personen

Das Blaxploitation-Genre ist vor allem auch durch seine Hauptdarsteller geprägt, die mit ihrer Leinwandpräsenz zum Erfolg der Filme beigetragen haben. Richard Roundtree, Fred Williamson, Jim Brown, Jim Kelly, Pam Grier und Tamara Dobson sind die Männer und Frauen, welche das Bild des schwarzen Kino der 70er geprägt haben. Davon können Richard Roundtree und Pam Grier mit Fug und Recht als König bzw. Königin gelten. Schon der Titelsong zu Shaft, den Roundtree verkörpert, gibt die Richtung an, in die der Film und das Genre geht, wenn es heißt:

»He’s cool and tough. He’s a black private dick that’s a sex machine with all the chicks. He doesn’t take orders from anybody, black or white, but he’d risk his neck for his brother man. I’m talkin’ about Shaft. Can you dig it?«

Bevor Richard Roundtree in die Rolle des John Shaft schlüpfte war er Theater-Schauspieler und Model für die Zeitschrift Ebony. Sein Äußeres dürfte es dann auch gewesen sein, dass ihn zu dieser Rolle gebracht hat. Nach den drei Shaft-Filmen folgte noch eine harmlose Serie um den Privatdetektiv, welche aber eingestellt wurde. Während der 80er Jahre überwinterte Roundtree schließlich auf dem Love Boat. Im neuen Shaft-Film mit Samuel L. Jackson hat er eine Nebenrolle als Uncle John Shaft.

Das ikonographische Gegenstück zu Richard Roundtree war Pam Grier. Sie war die weibliche Blaxploitation-Heldin schlechthin, quasi die Mutter des Rollentypus, und so wurde sie auf Plakaten auch angekündigt. So heißt es auf dem Coffy-Plakat:

»First there was... SLAUGHTER then... BLACK CAESAR Now.. meet the ‘GODMOTHER’ of them all... ‘Coffy’ ...and she’ll Cream you!« oder »The baddest one-chick hit squad that ever hit town«.

Sie war die weibliche Rächerin der Straße, die die Schulden einforderte, welche kriminelle Weiße gemacht hatten. Dabei nutzte sie sowohl ihr Hirn als auch die Muskeln, um das Ziel zu erreichen. In »Foxy Brown«, dem Film, mit dem man sie am meisten in Verbindung bringt, entgegnet sie zum Ausspruch ihrer Gegnerin: »I better warn you - I have a black belt in karate«, einfach nur: »And I got my black belt in barstools«, bevor sie sie zu Boden schlägt. Wichtig für die Methoden der Heldinnen ist schließlich noch das offensive Einsetzen von Sex, das sowohl bei »Foxy Brown« als auch »Coffy« eine große Rolle spielt und in späteren Filme wiederkehrt, wie zum Beispiel in dem comicartigen »Sheba Baby« (1975). Nach einer Zeit in der Versenkung tauchte Pam Grier dann wieder Ende der 80er Anfang der 90er Jahre in Filmen wie »Above the Law« (1988), »Posse« (1993) sowie natürlich »Jackie Brown« (1997) auf. weiter

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