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rezensionen

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kurzrezension

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blu-ray

Wer ist der Wolf?

Die Nacht der Wölfe

Die Nacht der Wölfe

Die Hauptfigur in „Nacht der Wölfe“ muss die Frage nach dem Verursacher nächtlicher Tierattacken klären, um das eigene Überleben zu sichern. Denn als Neuankömmling in einer winzigen Siedlung mitten in einem Wald Neu-Frankreichs hat Joseph Côté (Guillaume Lemay-Thivierge) das Misstrauen der Bewohner auf seiner Seite. Nachdem er gebissen wurde, machen sich Stimmen breit, dass er sich vermutlich auch in einen der Werwölfe verwandeln werde, welche die Menschen in der Gegend für die Attacken verantwortlich machen. Côté ist zwar ein Strauchdieb, der erst kurz zuvor dem Galgen entrinnen konnte und seine Kleidung mit einem toten Pater vertauscht hat, um unter falscher Identität seine Flucht zu decken, aber ein Werwolf ist er nicht. Das kann er den Bewohnern in der Gegend aber nur klar machen, wenn herausfindet, wer in Wirklichkeit die Menschen bedroht. Die Alternative dazu besteht in der weiteren Flucht. Die zieht Côté zunächst auch in Erwägung, aber die Beziehung zu einer jungen Frau hindert ihn daran. Sie befindet sich gemeinsam mit einigen anderen Auserwählten in einer Kapelle in Quarantäne, wo sie darauf wartet, vom örtlichen Grundbesitzer oder einem seiner Söhne zur Frau genommen zu werden. Weil Côté die Frauen nicht im Stich lassen will, stellt er sich schließlich der Gefahr.

„Die Nacht der Wölfe“ beginnt charmant. Das historische Ambiente im kanadischen Neu-Frankreich des 17. Jahrhunderts wird aufgrund des überschaubaren Budgets des Films zwar nicht bombastisch aber mit genügend Prägnanz zum Leben erweckt. Sinnvollerweise verlagert sich die Handlung auch schnell aus der Stadt in den Wald, um nicht zu stark zu zeigen, dass das Geld nur für eine winzige Gasse gereicht hat, um das damalige Quebec nachzubilden. Die Bewohner in der Einsamkeit der Natur strahlen eine Mischung aus Herzlichkeit und Misstrauen aus, die der Situation des Geflohenen die passende Bedrohlichkeit verleiht. In der angenommenen Rolle des Paters muss Côté stets auf der Hut sein, um nicht aufzufliegen. Sein ganzes Talent als Überlebenskünstler ist gefragt. Regisseur Philippe Gagnon gelingt es, die Anspannung, aber auch das Absurde der Situation herauszuarbeiten, mit der Côté umgehen muss. Seine recht bald geforderte Priesterprofession kann er nur halbgar ausfüllen und sorgt so für amüsante Momente, wenn er das zu überspielen sucht. Gleichzeitig bleibt stets klar, dass ihm nicht alle Bewohner trauen. Côté muss auf der Hut sein. So baut Gagnon bis zu Die Nacht der Wölfe einem gewissen Punkt eine stimmige Atmosphäre auf, die als Grundlage funktionieren könnte, um den Überlebenskünstler Côté in seinem Element zu zeigen. Die Geschichte eines Mannes, der sich unfreiwillig mit den Sorgen der Landbewohner befassen muss, um selbst davon zu kommen. Das ist als Erzählung interessant, aber es erfordert auch, dass der Film irgendwann den Druck weiter erhöht, um die Gefahr prägnant herauszuarbeiten. Denn sie ist die Voraussetzung für das Handeln Côtés. Hier scheitert Gagnon jedoch. Die Angriffe der Werwölfe werden nur sehr dezent in Szene gesetzt. Dabei wäre es gar nicht nötig gewesen, dass mehr im Bild zu sehen ist, aber die grimmige Entschlossenheit der Werwölfe sowie die Folgen ihrer Taten hätte Gagnon mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Mittel intensiver in den Vordergrund rücken müssen. Toneffekte, bedrohliche Kameraeinstellungen sowie eine stärkere Präsenz der Angreifer sind Möglichkeiten, um das zu realisieren. Stattdessen setzt Gagnon in der ausgefeiltesten Szene auf einen Fackelkreis, in dem sich die Verteidiger befinden. Eine der Fackeln geht aus und einer der Verteidiger geht zu Fackel, um sie wieder anzuzünden. Das gelingt aber nicht, weil er plötzlich in die Dunkelheit gezogen wird. Als Etablierung der Werwölfe wäre die Szene nicht schlecht, als einer der Höhepunkte ist das aber zu bieder. Daran krankt der Film. Er stellt in der Inszenierung der Gefahr seine Biederkeit aus und kann ihr deswegen keinen nennenswerten Schrecken einhauchen. So bricht die Grundvoraussetzung für das Drama zusammen. Der Film scheitert. Aus der Frage „Wer ist der Wolf?“ wird Frage „Wo ist eigentlich der Wolf?“, so wenig Präsenz zeigt er.

Bildqualität

Die Nacht der Wölfe

Die Bluray liefert eine ordentliche Vorstellung ohne besondere Höhen oder Tiefen ab. Die Schärfe siedelt sich in einem soliden Bereich an, der sich auf die einwandfrei Darstellung der Konturen verlassen kann, bei den Details durchschnittliche Qualität präsentiert. Die dezenten Farben des winterlichen Kanadas werden gut in Szene gesetzt, auch der Kontrast hat mit den einzelnen Abstufungen der ähnlichen Farbtöne keine Schwierigkeiten. Der Schwarzwert ist tief.

Tonqualität

Die DTS-HD-Master-7.1-Tonspuren warten zwar nicht mit einer besonders druckvollen Kulisse auf, aber die räumliche Abmischung kann sich im Rahmen der Möglichkeiten hören lassen. Immer wieder wandern Wolfsgeräusche oder andere atmosphärische Klangelemente durch die Lautsprecher und vermitteln so eine wohlige räumliche Kulisse. Die Dialoge wurde zusätzlich sauber abgemischt, so dass sie nicht durch die übrigen Geräusche übertönt werden.

Extras

Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer.

Fazit

„Die Nacht der Wölfe“ baut eine charmante Grundsituation auf, deren Drama um einen entflohenen Häftling, der zum eigenen Schutz gegen die um sich greifenden Tierattacken auf eine winzige Siedlung angehen muss, tragen würde, wenn die Gefahr der Werwölfe nicht so bieder in Szene gesetzt würde, dass ihr mit zunehmender Lauflänge der Schrecken völlig abgeht. Technisch ist die Bluray sehr ordentlich.

Stefan Dabrock

21.01.2012

   
Originaltitel Le poil de la bête (Kanada 2010)
Länge 100 Minuten (24p)
Studio Sunfilm
Regie Philippe Gagnon
Darsteller Guillaume Lemay-Thivierge, Viviane Audet, Gilles Renaud, Antoine Bertrand, Marc Beaupré, Marie-Chantal Perron, Sébastien Huberdeau, Mirianne Brulé, u.a.
Format 1:2,35 (16:9)
Ton DTS-HD-Master 7.1 Deutsch, Französisch
Untertitel Deutsch
Extras Trailer
Preis ca. 13 EUR
Bewertung gescheitert, technisch sehr ordentlich